Kneipp-Tipps für Zuhause

Monatlich veröffentlichen wir einen Tipp, den Sie ganz einfach in Ihren Alltag integrieren können. 

Tipp 9

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Lebensordnung – Der Schlüssel zu einem gesunden Leben

„Im Maße liegt die Ordnung, jedes Zuviel und jedes Zuwenig setzt an Stelle der Gesundheit Krankheit.“

Sebastian Kneipp

Wir sind heutzutage getrieben von einem schneller, höher, weiter. Die so genannte „Work-Life-Balance“ bleibt dabei häufig auf der Strecke und der biologischen Rhythmus zwischen Leistung und Erholung, Anspannung und Entspannung, Schlaf und Wachsein, geht in vielen Bereichen verloren. Auch greifen wir häufig aktiv ein und verstärken damit die negativen Effekte: sei es durch künstliches Licht, wach haltende oder schlaf- und beruhigungsfördernde Mittel und Geräte (Smartphone, Fernseher) oder andere Einflüsse, die sich mit der Zeit nachteilig und durch Funktionsstörungen an Organen bemerkbar machen können. Ein Ungleichgewicht im vegetativen Nervensystem entsteht, welches unbewusst die Körperfunktionen (Atmung, Herz, Magen-Darm u.a.) steuert. Dieses Ungleichgewicht kann Beschwerden wie Verdauungsbeschwerden, Herzrhythmusstörungen, Nervosität, Angst, Schlaflosigkeit, depressiven Verstimmungszustände, Leistungsminderung, Muskelverspannungen, Kopfschmerz oder Durchblutungsstörungen, Müdigkeit und vielen weitere sogenannten funktionellen (stressbedingte) Störungen hervorrufen.

Auch Sebastian Kneipp konnte im Lebensalltag schon zu seiner Zeit, die noch von schwerer körperlicher Arbeit geprägt war, ein Ungleichgewicht feststellen. Deshalb legte er ein besonderes Augenmerk darauf. So ging es auch damals schon darum, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Ruhephasen sowie einer Balance für alle Lebensbereiche zu finden: Den Einklang von Körper, Geist und Seele. Um erst gar nicht ins Ungleichgewicht zu kommen, bietet die Lebensordnung nach Kneipp vielfältige Ansätze, mit sich in Balance zu sein: Seien es Themen wie „Seelenhygiene“, Chronohygiene (= zeitordnende Aspekte) und dem angemessenen Wechsel von Anspannung und Entspannung, Aktion und Ruhe, Tag und Nacht oder die Regulierung von gestörten Abläufen, Stresskontrolle und -abbau, Stabilisierung und Selbstregulation, Erhöhung der allgemeine Stresstoleranz und Steigerung der Resilienz. Viele Anwendungen der fünf Säulen nach Kneipp, wie Bewegung, Ernährung, Wasser oder die Heilkräuter, zahlen auf die Lebensordnung und damit auf die Balance von Körper, Geist und Seele ein.

 

„Lebe recht vernünftig; und sei nicht frevelhaft gegen deinen Körper, indem du mehr von ihm verlangst, als er zu leisten vermag, oder mit anderen Worten: Handle nicht unvernünftig gegen dich selbst!“

Sebastian Kneipp

  • Achte auf Dich und Deine Struktur des Alltags und mache Dir bewusst, was diese ggf. für Auswirkungen haben kann
  • Gehe aktiv mehrmals täglich in die Entspannung. Sei es durch kurze aktive Pausen, einen Spaziergang in der Mittagspause oder eine kurze Meditation
  • Komm mehrmals täglich im Hier und Jetzt an und lenke Deine Aufmerksamkeit nur auf Deinen Atem
  • Achte auf ausreichend Schlaf und entwickle eine entsprechend Schlafhygiene (der Schlaf vor 24 Uhr ist meist der gesündere)
  • Achte auf Deinen eigenen Biorhythmus und folge Deiner inneren Uhr
  • Achte auf Deine Ernährung, denn „Du bist, was du isst“
  • Sorge für Dich selbst und kümmere Dich um Deine Gesundheit, denn: „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“!
  • Nimm an Kursen der örtlichen Kneipp-Vereine zu Achtsamkeit, Entspannung und anderen Aspekten für mehr Balance teil, die Dir guttun (Autogenes Training, Yoga, Progressive-Muskelentspannung, Bewegung, Sauna, tägliches Wechselduschen, Mediation, TaiChi u.v.m.)
  • Pflege soziale Kontakte und eine vor allem eine bewusste Medienhygiene (digital detox).
Tipp 8

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Wasser – Durstlöscher und Lebenselixier

„Wer immer die Wirkungen des Wassers versteht und in seiner überaus mannigfaltigen Art anzuwenden weiß, besitzt ein Heilmittel, welches von keinem anderen Mittel übertroffen werden kann. Keines ist mannigfaltiger in der Wirkung.“

Sebastian Kneipp

Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Ohne Wasser kann der Mensch nur ca. drei Tage überleben. Das war auch Sebastian Kneipp bewusst. Er hat Wasser nicht nur zur äußerlichen, sondern auch zur innerlichen Anwendung als gesunde Lösung empfohlen.

Wasser übernimmt viele lebenswichtige Funktionen. Es ermöglicht zum Beispiel unseren Stoffwechsel, indem es als Lösungs- und Transportmittel dient und reguliert darüber hinaus den Wärmehaushalt.Drei Viertel des im Körper vorhandenen Wassers befindet sich im Inneren der Zellen und nur ein Viertel außerhalb der Zellen. Auch das Blut besteht zu über 90 % aus Wasser. Deshalb ist es wichtig, den Wasserhaushalt des Körpers bewusst zu regulieren, da Nährstoffe durch das Blut zugeführt und Abbaustoffe entsorgt werden können. Selbst das Gehirn des Menschen setzt sich aus bis zu 90 % Wasser zusammen.

Wasser nimmt der Mensch durch Nahrung und Getränke zu sich. Im Schnitt sind dies ca. 600 ml durch die Nahrung und ca. 1,5 l durch Getränke. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine reine Wasserzufuhr von 1,5 l am Tag. Je nach körperlicher Aktivität, erhöhter Außentemperatur (Hitze), Krankheiten oder Zusammensetzung der Nahrung (eiweiß- und kochsalzreich), kann sich die tägliche Getränkemenge auf bis zu 3 l und mehr erhöhen.

Um die optimale Funktion des Wassers im Körper zu erreichen, ist so genanntes ungesättigtes Wasser, zum Beispiel Quellewasser, besonders geeignet. Es besitzt die Fähigkeit, vor allem Gift- und Abbaustoffe auszuleiten, was heute durch die vielen Umwelteinflüsse besondere Relevanz hat.

„Die Regelmäßigkeit im Essen und Trinken befördert die Verdauung ungemein und ist deshalb sehr zu raten“

Sebastian Kneipp

  • Regelmäßiges Trinken von Wasser, auch ohne Durstgefühl, erhöht die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
  • Ideal sind Getränke, die wenig Kalorien liefern: Quell- oder Trinkwasser, Kräuter- oder Früchtetees, Fruchtsäfte verdünnt mit Wasser
  • Wasser selbst „pimpen“ statt Near-Water-Getränke teuer kaufen: mit natürlichen Zutaten wie Zitrone, Minze, Ingwer, Gurke, Melone, Limette und anderem mehr kann Wasser geschmacklich attraktiver gemacht werden. In einer Karaffe sieht das nicht nur schick aus, sondern ist auch garantiert günstiger als Near-Water-Proukte
  • Weniger empfehlenswert sind Fruchtsaftgetränke, Limonaden Softdrinks, Kaffee und schwarzer Tee, Bier und Wein. 
  • Und wie immer: Jeder Mensch benötigt eine individuelle Zufuhr von Wasser
Tipp 7

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Heilpflanzen – von Arnika bis Zitronenverbene

„Vorbeugen sollt ihr durch diese Kräuter, nicht das Übel erst groß werden lassen.“

Sebastian Kneipp

Sebastian Kneipp war ein begeisterter Anwender von Heilpflanzen für Badezusätze, Tinkturen, Salben, Tees und vieles mehr. Sein liebstes Kraut war die Arnika. Sie wirkt vor allem äußerlich gut, zum Beispiel bei Blutergüssen, Prellungen, Quetschungen, Zerrungen, Muskelkater oder Venenbeschwerden. Wie schon der Volksmund sagt: Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen. Und das macht sich der Mensch schon seit Jahrhunderten zunutze. Sei es in der Medizin, der Küche oder bei der Körperpflege. Kneipp hat vor über 150 Jahren schon rund 45 Pflanzen verschiedene Wirkung zugeschrieben, die heute wissenschaftlich belegt sind.

Wo früher ein Streifzug durch den nächstgelegenen Klostergarten reichte, helfen heute Reformhäuser oder Apotheken gerne weiter, aber auch die Kneippvereine und die Kräutergärten in den Kneippheilbädern und -kurorten in Baden-Württemberg haben hier einiges zu bieten. So geben insbesondere geführte Kräuterwanderungen oder Kochkurse einen Einblick in die Wirkung und Zubereitung der Kräuter. Ein bekannter Klassiker bei Tees ist zum Beispiel Fenchel, Anis und Kümmel. Oder im Winter mit Linden- oder Holunderblütentee gegen Erkältungen vorbeugen. Heilpflanzen wirken regulativ und können Störungen im Organismus harmonisieren und die Abwehrkräfte des Körpers steigern.

Darüber hinaus enthalten Pflanzen eine große Vielfalt an Vitalstoffen, wie Mineralstoffe, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe, Bitterstoffe, ätherische Öle und vieles mehr.

„Mit jedem Schritt und Tritt, welchen wir in der Natur machen, begegnen wir immer wieder neuen Pflanzen, die für uns höchst nützlich und heilbringend sind.“

Sebastian Kneipp

  • wirken beruhigend: Baldrian, Hopfen, Melisse, Lavendel
  • sind gut für die Haut: Kamille, Kleie, Schafgarbe, Eichenrinde, Haferstroh
  • helfen gegen Blähungen: Kümmel, Anis, Fenchel
  • für den Bewegungsapparat: Heublumen
  • gegen Erkrankungen der Atemwege: Thymian, Eukalyptus, Koniferen, Kampfer
  • wirken Kreislauf anregend: Rosmarin, Weißdorn

    Quelle: www.kneippverband.de
Tipp 6

Eat smart- ausgewogene natürliche Ernährung

„Der Weg zur Gesundheit führt durch die Küche, nicht durch die Apotheke.“

Sebastian Kneipp

Eine ausgewogene und natürliche Ernährung ist der Schlüssel für ein gesundes Leben. Das wusste schon Sebastian Kneipp. Denn: Du bist was Du isst. Und fast noch wichtiger, was Dein Körper daraus macht.
Ziel ist es nicht, sich nach Nährwerttabellen zu richten oder zu hungern. Vielmehr steht das bewusste Essen im Vordergrund. Und genau hier hapert es bei vielen: Einfach mal in sich hineinhören und spüren, was braucht mein Körper gerade, auf was habe ich Hunger? Wenn dann der Zuckerteufel zuschlägt, sollten die Alarmglocken klingeln. Dann ist etwas aus der Balance.

 

Was bedeutet aber nun smart essen?

Dazu führt man sich am besten vor Augen, dass jede unserer 100 Billionen Körperzellen sowohl Bau- als auch Funktionsstoffe benötigen. Wenn wir also die richtigen Bau- und Funktionsstoffe zu uns nehmen, kann der Körper optimal funktionieren. Fehlen Bausteine, kann das komplexe System schnell aus dem Gleichgewicht geraten. Zu den Baustoffen gehören vor allem Eiweiße und Fette, aus denen viele Bestandteile der Zellen hergestellt werden. Zu den Funktionsstoffen zählen Wasser als Träger vielfältiger Funktionen. Darüber hinaus Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Alles Nährstoffe, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Führen wir also Bau- und Funktionsstoffe ausreichend und in guter Qualität zu, kann der Körper optimal sein Potenzial entfalten. Smart Essen bedeutet, funktionelle Nahrungsbestandteile zuzuführen und nicht nur Füllstoffe, die heutzutage meist in stark verarbeiteten Lebensmitteln enthalten sind.

„Die Nahrung ist nur dann zuträglich und gesund, wenn sie der Natur des Menschen zuträglich ist und von ihr verarbeitet wird.“

Sebastian Kneipp

Kneipp empfahl reichlich Gemüse und Obst zu essen, gerne auch als Rohkost, also ganz unverarbeitet und mäßig tierische Nahrungsmittel. Wo Kneipp nicht mehr ganz richtig liegt, ist die Empfehlung, wenig Fette zu sich zu nehmen. Denn die richtigen Fette machen nicht dick, sondern tragen zu einem ausgewogenen Körperstoffwechsel bei, ja können sogar beim Abnehmen helfen. Alleine das Gehirn besteht zu etwa 60 Prozent aus Fett. Aber auch hier gilt: Fett ist nicht gleich Fett. Wichtig hierbei hochwertige pflanzliche Fette und Öle wie Oliven-, Distel-, oder Rapsöl und vor allem die Omega-3-Fettsäuren nicht vergessen, die insbesondere in nativem Leinöl oder Nüssen und Kernen enthalten sind. Bei Brot oder Getreide möglichst Vollkornprodukte verwenden, in denen das ganze Potenzial des Korns steckt. Vor allem sind darin Ballaststoffe enthalten, die für die Darmgesundheit wesentlich sind.

Zudem empfahl Kneipp Wasser als das beste aller Getränke, denn Wasser ist das Transportmittel der Wahl für viele Stoffe im Körper.

Verboten hat Sebastian Kneipp nichts – nur das Übertreiben. Kneipp meinte:

„Im Maße liegt die Ordnung. Jedes Zuviel und jedes Zuwenig stellt an Stelle der Gesundheit Krankheit."

  1. Vielseitig, abwechslungsreich und vor allem bunt Essen
     
  2. Möglichst wenig verarbeitete, regionale, saisonale Lebensmittel in guter Qualität verwenden
     
  3. Ausreichender Gemüse (min. 3 Portionen am Tag) und Obst (2 Portionen am Tag)
     
  4. Hochwertige Eiweiße, am besten pflanzlich, und wertvolle Fette und Öle
     
  5. Vorwiegend frische, pflanzliche Nahrungsmittel, mäßig tierische Nahrungsmittel
     
  6. Mahlzeiten möglichst häufig selbst zubereiten
     
  7. Zum Würzen frische Kräuter verwenden
     
  8. Nahrungsmittel vermeiden, die mehr als fünf Zutaten haben
     
  9. Nichts essen, was die Urgroßmutter nicht gekannt hätte
     
  10. Einheimische Superfood wie z.B. Heidelbeeren, Leinsamen oder Brokkoli verwenden
     
  11. Bewusst essen, genießen und sich Zeit dafür nehmen. Der Körper wird es schätzen.
Tipp 5

©Oliver Raatz

Wassertreten - die wohl bekannteste Kneipp‘sche Anwendung

„Lernt das Wasser richtig kennen, und es wird euch stets ein verlässlicher Freund sein."

Sebastian Kneipp

Wassertreten ist wohl die bekannteste Kneipp-Anwendung. Vor allem, weil sie so einfach umgesetzt werden kann. Am besten geht dies in einem der zahlreichen Wassertretbecken in den Heilbädern und Kurorten in Baden-Württemberg oder zuhause in einem großen Eimer bzw. Bottich oder in der Badewanne. Im Sommer genügt an warmen Tagen auch ein seichter Uferstreifen oder ein Bachlauf in der freien Natur.

Regelmäßig durchgeführt kann Wassertreten Infekte vorbeugen und den Körper abhärten sowie ausgleichend auf die Stimmung wirken. Wassertreten ist wohltuend und erfrischend und kann dabei helfen, den Kreislauf anzuregen, die Durchblutung zu fördern, die Venen zu kräftigen und das Immunsystem zu stärken. Zudem kann Wassertreten beruhigend auf Körper, Geist und Seele wirken und fördert bei Anwendung am Abend den Schlaf.

 

„Ein regelmäßiger Kreislauf kann durch keine Medikamente, mögen sie heißen, wie sie wollen, bewirkt werden. Ein solches Meisterstück kann nur das Wasser liefern.“

Sebastian Kneipp

Vor dem Wassertreten sollten die Füße immer warm sein. Am besten durch Bewegung aufwärmen.

Beim Wassertreten im sogenannten Storchengang ein Bein immer vollständig aus dem Wasser herausziehen und dabei die Fußspitze etwas nach unten beugen

Sobald der Kältereiz zu stark wird, aus dem Wasser gehen

Danach das Wasser mit den Händen abstreifen, warme Socken anziehen und durch kleine Schritte oder Fußgymnastik die Füße aufwärmen

Wassertreten sollte nie direkt vor oder nach einer Mahlzeit durchgeführt werden. Mindestens eine halbe Stunde Abstand

Wer krank ist oder anderweitige gesundheitliche Einschränkungen hat, sollte vor dem Wassertreten seinen Arzt fragen

Merke: nur regelmäßige Wasseranwendungen können nachhaltig positive Veränderungen hervorrufen. Die Kneipp‘sche Empfehlung dazu: „Lieber wenig und oft, denn viel und selten.“

Tipp 4

Wasser zur natürlichen Stärkung des Immunsystems

„Im Wasser liegt Heil; es ist das einfachste, wohlfeilste und – recht angewandt – das sicherste Heilmittel.“

Sebastian Kneipp

Wasser und Kneipp das passt wie Topf und Deckel. Kneipp erkrankte seinerzeit an Tuberkulose, damals eine unheilbare Erkrankung. Es gelang ihm aber, sich selbst durch Tauchbäder in der Donau zu heilen, da er die Selbstheilungskräfte aktiviert hatte. Daher wird er oft auch als „Wasserdoktor“ bezeichnet, da er die alte Kunst zu heilen wieder gesellschaftsfähig machte. Heutzutage sind die Wasseranwendungen nach Kneipp vor allem wegen ihrer einfachen Durchführung so beliebt.

Wie kann Wasser das Immunsystem stärken?

Zum Beispiel durch Wassertreten, Bäder, Güsse und Wickel, oder die morgendliche kalte Dusche. Letzteres ist nichts für Warumduscher, aber sehr effektiv. Die Wasserwandungen können zu einer Abhärtung und Stabilisierung der Körperfunktionen beitragen. Dabei passiert einfach erklärt das Folgende: Das kalte Wasser regt den Körper an, da sich die Hautgefäße erst zusammenziehen und sich dann wieder weiten. Das geht mit spürbarer Erwärmung einher, da gleichzeitig die Durchblutung und damit der gesamte Stoffwechsel angeregt wird. Diese Körperantwort wird auch als Thermoregulation bezeichnet.

Bei regelmäßiger Durchführung können Wasseranwendungen eine Stärkung des gesamten Organismus und damit auch des Immunsystems ermöglichen. Zudem bei Stoffwechselstörungen helfen und das vegetative Nervensystem stabilisieren. Genial dabei: Egal welcher Teil des Körpers mit kaltem Wasser in Berührung kommt, der Reiz wirkt auf den gesamten Organismus. Daher können auch Armbäder oder Arm- und Gesichtsgüsse ähnliche Effekte erzielen. Aber Vorsicht: Wasseranwendungen mit kaltem Wasser sind nur für gesunde Personen mit gutem Allgemeinbefinden geeignet, vor allem bei einer kalten Ganzkörperdusche. Wichtig, nur die vorher warmen Körperpartien den Reizen aussetzen. 

1. Wassertreten für Zuhause: einen Eimer Wasser auf die Terrasse stellen (am besten Kniehoch
    befüllt) und täglich eine Minute im Storchengang darin treten. Kleine Übung mit großem Effekt

2. Morgens über die noch kühle Wiese barfuß im Tau laufen. Danach das Wasser abstreichen und die
    Füße durch Bewegung erwärmen. Am Schluss in trockene warme Socken steigen und das prickelnde
    Wohlgefühl genießen

3. Beim Wandern die müden Füße in einen Bach halten oder gleich im Bach Wassertreten. Danach
    die Beine vom Wasser abstreifen und wie oben beschrieben erwärmen

4. Nach der warmen Dusche kalt abduschen. Dabei den Körper langsam daran gewöhnen

Merke: 
Nur egelmäßige Wasseranwendungen können eine nachhaltige Stärkung des Immunsystems ermöglichen.

Wer genauer wissen will, wie Wassertreten und Güsse nach Kneipp angewendet werden, der kann dies am besten bei einem der örtlichen Kneippvereine in Erfahrung bringen.

Tipp 3

Mit der richtigen Ernährung gelassen durch den Alltag

„Der Weg zur Gesundheit führt durch die Küche, nicht durch die Apotheke.“

Sebastian Kneipp

Schon 2007 hat die Weltgesundheitsorganisation festgestellt: Stress ist die größte Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhundert.

Aber was macht der Stress im Körper? Er greift die körpereigenen Vitalstoffreserven an und leert diese. Schaffen wir es also nicht, diese Reserven wieder zu füllen, kommt der Körper aus der Balance und wird mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Die Folgen können Schlafstörungen, Angststörungen, Gereiztheit, häufige Infekte, Magen-Darm-Erkrankungen, erhöhter Blutdruck und anderes mehr sein. 

Heute wissen wir, dass vor allem ein gesunder Darm eine wichtige Voraussetzung für gute Laune ist. Warum? Zum einen gibt es eine direkte Verbindung zwischen Darm und Hirn, die so genannte Darm-Hirn-Achse. Im Darm werden Hormone gebildet, die direkten Einfluss auf unsere Stimmung haben. So zum Beispiel das Glückshormon Serotonin oder auch der Stress-Botenstoff Adrenalin. Der Darm funkt dabei ca. 90 % seiner „Stimmung“ an das Gehirn, das Gehirn aber nur 10 % an den Darm. Folglich sollten wir sorgsam mit unserem Darm umgehen. Zum anderen werden über den Darm alle wichtigen Bau-, Nähr- und Funktionsstoffe aufgenommen und er ist das Zentrum unseres Immunsystems. Es ist also wichtig, dass unser Darm und die dort lebenden 100 Billionen Bakterien gut mit Seelenfutter versorgt werden, denn: Essen kann glücklich machen.

In der Kneippschen Gesundheitslehre steht eine ausgewogene, gesunde und natürliche Ernährung ohne Verbote im Vordergrund. Diese kann dazu beitragen, die Funktion des Darms und damit unsere Gesundheit und unsere Stimmung positiv zu beeinflussen.

1. Abwechslungsreich und vielseitig essen, möglichst bunt

2. Gemüse und Obst in ausreichender Menge, vor allem Gemüse

3. Regional, saisonal und in guter Qualität. Bevorzugt Bio

4. Hochwertige Eiweiße, am besten pflanzlich, sowie wertvolle Fette und Öle als Baustoffe für unseren Körper

5. Alle Zutaten möglichst schonend zubereiten, um die Nährstoffe zu erhalten

6. So wenig als möglich verarbeite Lebensmittel verwenden. Wir sprechen auch vom Clean-Eating

7. Zucker und Alkohol in Maßen. Die Dosis macht das Gift

8. Auf die Zusammensetzung der Nahrung genauso achtgeben wie auf das „Zusammensetzen" am Tisch: Genuss, Freude, Ruhe und Zeit gehören ebenso zu einer gesunden Mahlzeit

9. Sebastian Kneipp empfiehlt zudem: Wasser, das beste aller Getränke

Tipp 2

Entspannung durch Bewegung – gelassen durch den Alltag gehen

„Im Maße liegt die Ordnung, jedes Zuviel und jedes Zuwenig setzt an Stelle der Gesundheit Krankheit.“

Sebastian Kneipp

Die innere Mitte finden und gelassen durch den Alltag gehen. Das wünschen wir uns derzeit wohl alle. Aber wie kann das funktionieren, wenn im Außen alles auf Angst, Krankheitsvermeidung und Krise geschaltet ist?

Nachweislich können verschiedenste Stressoren im Innen und Außen das Immunsystem schwächen. Dies geschieht auch jetzt, wenn wir nicht achtsam mit uns umgehen, denn der Körper wird automatisch in den sogenannten „Fight-Or-Flight-Modus“ versetzt. Diese Stressreaktion ist ganz natürlich und die Antwort auf Gefahrensituationen. Der Körper schaltet dabei in eine Art „Boost-Modus“. Schlagartig wird Adrenalin freigesetzt, der Herzschlag schnellt nach oben, die Muskeln werden aktiviert, die Atemfrequenz erhöht sich. Das alles dient dazu, der Gefahrensituation begegnen zu können. Soweit so gut. Geraten aber die natürlichen Funktionen des Körpers aus der Balance und hält der Zustand der Stressreaktion über längere Zeit an, führt das dazu, dass beispielweise das Immunsystem oder unsere Psyche leiden und andere Funktionenstörungen auftreten können: Nervosität, Angstgefühle, Kopfschmerzen, depressive Verstimmungen, Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen oder Energielosigkeit.

Daher ist es wichtig, die gestörte innere Ordnung wieder ins Gleichgewicht zu bringen, um gelassener durch den Alltag zu gehen. Aber was können wir genau dafür tun?

Auch hierzu hat Pfarrer Kneipp eine Antwort. Er empfahl, auf den eigenen Körper zu hören uns stets für ein ausgeglichenes Verhältnis von Ruhe und Aktivität zu sorgen. 

  1. Yoga? Yoga!
    Yoga kann durch verschiedene Asanas für eine ausgewogene Entspannung sorgen. Einfach mal bei einem Kurs mitmachen und ausprobieren. Die Wirkung ist schnell zu spüren.
  2. Tai Chi
    Diese auch als innere Kampfkunst bezeichnete Sportart ist ideal geeignet, um zur inneren Ruhe zu kommen.
  3. Pilates
    Balanceübungen können helfen, Spannungsgefühle im Körper wahrzunehmen. So wird beispielsweise durch die Ausführung einer Standwaage sowohl der Geist durch den Fokus auf die Bewegung als auch der Körper beruhigt.
  4. Dehnübungen
    Geistige Anspannung kann sich auch auf die Muskelspannung übertragen. Dehnübungen können helfen, durch die reflektorischen Wirkungen auch unser Stressempfinden zu senken.
  5. Atemübungen
    Einfach mal auf das Ein- und Ausatmen konzentrieren und dem Atem dabei von der Nase bis in den Bauch folgen und umgekehrt. Die Gedanken kommen und gehen, werden dabei aber nicht bewertet. Die Konzentration liegt auf der Atmung. Mit ein wenig Übung gelingt es in die Ruhe und ins Hier und Jetzt zu kommen.
  6. Waldbaden
    Waldbaden kombiniert leichte Bewegungsaktivitäten, bei denen alle Sinne angesprochen werden. In Kombination mit der bewussten und achtsamen Wahrnehmung des Waldes führt das zu folgenden positiven Nebenwirkung: zwei Stunden Waldbaden erhöht nachgewiesener weise die Selbstheilungskräfte und stärkt das Immunsystem.
  7. Indian Balance
    Den Körper bewegen, während die Seele ausruht! Verschiedene Achtsamkeits- und Wahrnehmungsübungen, Regenerations- sowie Tiefenentspannungsübungen und eine indigene Heilgymnastik führen zu einer inneren Ordnung der besonderen Art.
Tipp 1

Wirkstoff Bewegung

„Um gesund zu bleiben, muss sich der Mensch bewegen“

Sebastian Kneipp

Bewegung wirkt sich nicht nur positiv auf den Bewegungsapparat und das Herz-Kreislauf-System aus, sondern auch auf den gesamten Stoffwechsel und die Nerven. Damit verlängert Bewegung das Leben, beugt Krankheiten vor und kann sogar heilen. Mediziner sind sich sicher: Bewegung wirkt wie eine gut dosierte Arznei. Warum? 
Weil die Muskeln das größte Stoffwechselorgan sind und vielfältige positive Effekt im Körper erzielen. Allerdings gilt auch hier wie bei einem Arzneimittel, dass die Dosierung stimmen muss: im rechten Maß hält Bewegung gesund und schütz vor Krankheiten.

Empfohlen werden für gesundheitsorientierte Aktivitäten mindestens 150 Minuten moderate körperliche Bewegung pro Woche.

  1. Sportlich zur Arbeit 
    Mit dem Fahrrad zur Arbeit oder zum Einkaufen fahren
  2. Eine Station eher aussteigen
    Eine oder mehrere Haltestellen früher aussteigen und den Rest zu Fuße gehen
  3. Aktive Mittagspause
    Die Mittagspause für einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft nutzen
  4. Auto weiter weg abstellen
    Das Auto abseits abstellen und den Rest zu Fuß laufen
  5. Treppen steigen
    Treppen steigen statt den Aufzug oder die Rolltreppe nehmen