Gesundheitstourismus als Retter in der Krise
STUTTGART – Während die allgemeine Reisebranche im Krisenjahr 2009 über Umsatz- und Übernachtungsrückgänge klagt, konnten Baden-Württembergs Heilbäder und Kurorte einen Stabilisierungsbeitrag für den Tourismus im Land leisten. Ihre gesundheitstouristischen Angebote waren bei den ausländischen Gästen vor allem für Schweizer, Franzosen und Niederländer nach Baden-Württemberg verlockend.
Die höchsten Übernachtungszuwächse bei ausländischen Gästen verzeichneten die Heilbäder und Kurorte bei den französischen (Plus 8 Prozent) und österreichischen Nachbarn (Plus 5,7 Prozent). Bei den Ankünften verdrängten die Franzosen mit fast 62,000 erstmals die Niederländer (58366) auf den dritten Platz.
Für Professor Rudolf Forcher, Präsident des Heilbäderverbandes Baden-Württemberg, stellt der Gesundheitstourismus eine große Chance fürs „Ländle“ dar. „Unser Bundesland hat eine große Vielfalt zu bieten. Als Bäderland Nr. 1 in Deutschland kommt uns ein Stellenwert, der touristisch zusätzliche Potentiale bietet.“ Vor Pressevertretern meinte Forcher auf der Messe CMT, dass „das Thema Gesundheit in seinen Facetten Erholung, Medical Wellness, Prävention und Rehabilitation für Baden-Württemberg einen Kernmarkt darstellt. „Im Rahmen unserer Strategie setzen wir das in der Landestourismus-Konzeption angesprochene Zukunftsthema „Wellness und Gesundheit“ schon konsequent und erfolgreich um.“
Der Heilbäderverband Baden-Württemberg habe mit seinen 57 Heilbädern und Kurorten in den letzten Jahren viel dafür getan, die Themenfelder des Gesundheitstouristen attraktiv zu besetzen, so Forcher. Der Initiative „Gesundheitsland“ mit jährlichen Aktionen und besonderen Angeboten folgten die Wellness Stars, Medical Wellness Stars und die Wellness Stars Thermen. Diese Markenfamilie hat sich mittlerweile weit über das Land hinaus etabliert. Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, der Schweiz und neuerdings auch in Südtirol tragen das vom Verband entwickelte Marken- und Gütezeichen.
„Wir haben Baden-Württemberg damit als bevorzugte Gesundheitsdestination gestärkt und seine Attraktivität mit vielseitigen Angeboten für unterschiedlichste Zielgruppen gesteigert. Die Zahlen belegen dies eindrucksvoll“, so Forcher. In der Tat weist die Statistik von Ankünften und Übernachtungen von Januar bis November 2009 bei den Inlandsgästen für das Land insgesamt ein Minus von 2,7 Prozent aus. Die Heilbäder und Kurorte wirken dagegen mit einem Rückgang von nur 1 Prozent stabilisierend. Auch bei den Übernachtungen lagen die Heilbäder und Kurorte über dem Landesdurchschnitt. Dieser bewegte sich bei Minus 2,7 Prozent, bei den Heilbädern waren es nur Minus 2 Prozent.
„Besonders freut uns der deutliche Zuwachs der ausländischen Gäste in unseren Einrichtungen“, resümiert Forcher. Bei den Heilklimatischen Kurorten stieg die Anzahl an Übernachtungen von ausländischen Gästen um 2,2 Prozent, in den Kneippkurorten um 3,7 Prozent. Die Vorsorge- und Reha-Kliniken verzeichneten gar ein Plus um die 4,5 Prozent, um die im Gesamttourismus die ausländischen Übernachtungsgästen in Baden-Württemberg abnahmen. „Ohne unsere rund 11 Mio. Übernachtungen würden dem Tourismus in Baden-Württemberg weit über ein Viertel Übernachtungsgäste fehlen.“
Wesentliche Gründe für den Zuwachs sieht Forcher in dem „stimmigen Preis-Leistungs-Verhältnis“ und in der Suche vieler Menschen „nach einem gesundheitlichen Mehrwert im Urlaub“. Viele Schweizer, Niederländer und immer mehr auch Franzosen und Belgier würden die medizinisch unterstützten Wellness-Angebote in Baden-Württemberg für eine gesunde Auszeit, teilweise sogar als Haupturlaub nutzen.
Info: Die Heilbäder und Kurorte Baden-Württembergs sind ein starker Wirtschaftsfaktor. 3,05 Milliarden Euro werden dort jährlich erwirtschaftet. 70.000 qualifizierte und nicht exportierbare Arbeits- und Ausbildungsplätze sind in den 57 höher prädikatisierten Orten im Land beschäftigt.


